Der Tod hat Gesichter

9. März 2017: 27 Sekunden dauerte der Beitrag am Mittwoch in der Tagesschau über das IS-Massaker an einem Krankenhaus in Kabul am 8. März 2017, bevor man sich wieder den Unkenrufen im bevorstehenden deutschen Wahlkampf widmete (https://www.tagesschau.de/ausland/afghanistan-kabul-angriff-103.html).

Gar nicht erwähnt wurde, dass bei dem brutalen Angriff auf die bislang als sicherstes Krankenhaus in Kabul eingestufte Klinik 40 Menschen starben und 70 verletzt wurden. Unter den Toten und Verletzten: Ärzte, Krankenhauspersonal, Patienten. Frishta war heute in Tränen aufgelöst. Unter den Ermordeten waren vier ihrer Kollegen, junge Männer, die sie kannte:

Sie alle hatten Familie und kleine Kinder. „Ich verstehe nicht, wie man Ärzte so brutal umbringen kann. Sie retten doch leben,“ schluchzt Frishta, selbst Zahnärztin aus Kabul. Der IS kann. Der rekrutiert sich aus gehirngewaschenen menschlichen Waffen, die vor nichts zurückschrecken. Das darf man aber den Angehörigen und Freunden so nicht sagen. Sie haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass in ihrem Heimatland nach vielen Jahrzehnten Krieg und Terror irgendwann einmal Frieden einkehrt und sie zurückgehen können, um ihr Land wieder aufzubauen.

Irgendwann einmal… Derzeit ist die Sicherheitslage in Afghanistan prekärer denn je. Die Taliban haben Konkurrenz bekommen. Jetzt mischt der IS auch noch mit. Mit Frieden und Sicherheit hat das so viel zu tun wie Merkel mit Schulz beim Candle Light Dinner.

Eine Neubewertung der Sicherheitslage in Afghanistan sollte höchste Priorität haben, bevor irgendein Charterflug mit abgeschobenen afghanischen Menschen von jedwedem deutschen Flughafen wieder Kurs auf die Todesmetropole Kabul nimmt!

Marianne Kestler