Niemand darf ertrinken !

Hervorgehoben

Die Flüchtlingshilfe Neu-Isenburg sammelt seit einem Jahr Spenden für den Verein Sea-Eye, der sich auf dem Mittelmeer um die Rettung Ertrinkender kümmert. Am Mittwoch, 28.08.2019 war Michael Buschheuer, Gründer des Vereins, auf Einladung der Flüchtlingshilfe in der Evangelischen Johannesgemeinde Neu-Isenburg zu Gast.

Astrid Janentzky, Koordinatorin bei “Sea-Eye” und Vereinsgründer Michael Buschheuer in Neu-Isenburg. Foto: Stephan Siemon

Mit einem inspirierenden, fast zweieinhalbstündigen Vortrag bedankte er sich für das Engagement von Kirche und Flüchtlingshilfe. Und er informierte über den Stand der Dinge auf dem Mittelmeer. Buschheuer legte den über 50 Zuhörerinnen und Zuhörern dar, wie die Arbeit der privaten Seenotretter immer wieder systematisch von der EU-Politik ausgebremst, behindert und vor allem verlangsamt wird durch unwürdiges, politisches Geschacher der einzelnen Länder. Buschheuer zeigte auf, wie die Wanderungsbewegungen über das Mittelmeer in Süd-Nord-Richtung verlaufen und er stellte ausdrücklich klar, dass die Abwesenheit privater Seenotretter die Schutzsuchenden aus Afrika nicht von einer Flucht abhalten wird. Die zynische Rechnung der Regierungen – keine Rettungsschiffe, keine Flüchtlinge –, sie geht nicht auf. Belegbar ist hingegen eine einfache Wahrheit: Je weniger Retter auf dem Mittelmeer sind, desto mehr Menschen müssen ertrinken.

Der Gründer des Vereines Sea-Eye berichtete darüber, wie er selbst zur Seenotrettung kam: Eine durchaus ungewöhnliche Geschichte. Buschheuer hat in Regensburg einen Betrieb für Bauten- und Korrosionsschutz und beschäftigt 20 Mitarbeiter. Als Hobby-Segler fasste er in  2015 mit Freunden den Gedanken, helfen zu müssen, und schickte alsbald ein erstes Rettungsschiff, die “Sea-Eye”, ins Mittelmeer.

Die “Sea Eye”, die 12.000 Leben rettete, liegt im Museumshafen von Hamburg-Harburg. Sie dient heute als Dokumentationsschiff. Foto: Stephan Siemon

Dieses Schiff und seine Besatzungen retteten in den Jahren 2016 bis 2018 Schutzsuchende vor dem Ertrinken. Mittlerweile hat der Verein die “Sea Eye” und ihr Schwesterschiff, die “Seefuchs”, außer Dienst gestellt – die „Sea-Eye“ liegt im Museumshafen von Hamburg-Harburg und dient als Dokumentationsschiff. Denn es wurde für den Verein nötig, ein größeres Schiff, die “Alan Kurdi” zu erwerben, die sich derzeit im Rettungseinsatz auf dem Mittelmeer befindet. Nötig auch deswegen, weil die Seenotretter mittlerweile gezwungen sind, immer weitere Wege zu fahren, um die in Seenot geratenen Menschen in einen sicheren Hafen zu bringen.

Wie wird es auf dem Mittelmeer weitergehen? Zur Zeit versuchen die EU-Regierungen, die Arbeit privater Seenotretter systematisch zu behindern, ja, diese Ehrenamtlichen zu kriminalisieren. Doch das führt allenfalls zu mehr Ertrinkenden, die Flucht aus dem völlig desolaten Libyen wird es nicht beenden.

Ertrinkende werden von der italienischen Küstenwache aus dem Wasser gefischt. Sie werden von italienischen Fischerbooten gerettet. Oder sie schaffen es selbst in klapprigen Holzbooten nach Lampedusa oder Malta. Doch die Abwesenheit koordinierter Search-and-Rescue-Missionen durch die Marinen der EU sorgt für weitere Tote. Wie wird es weitergehen? Michael Buschheuer vertritt eine konsequente humanitäre Grundhaltung: Niemand darf ertrinken. Wie es mit den Schutzsuchenden weitergeht, das entscheiden die Politiker, die dringend aufgerufen sind, sich zusammenzusetzen und tragfähige Lösungen zu erarbeiten.

Unterschriftenaktion „Sicherer Hafen Neu-Isenburg“

Am „Tag der Nationen“, 24.08.2019, übergab die Flüchtlingshilfe Neu-Isenburg e.V. Herrn Bürgermeister Herbert Hunkel eine Unterschriftenliste.
Foto: Marianne Kestler

In seiner Eröffnungsrede des Festes zum „Tag der Nationen“ ging Herr Bürgermeister Hunkel auf das gute Zusammenleben der Menschen aus
122 Nationen ein. Als etwas ganz besonderes schilderte er dabei die Zeit als 2015/2016 in der Rathenaustraße eine Erstaufnahme bestand. Für
ihn war dies die „emontionalste Zeit“ in der Geschichte seiner 52 Jahre im Neu-Isenburger Rathaus.

Michael Kaul, Vorsitzender der Flüchtlingshilfe Neu-Isenburg e.V., überreichte Herrn Bürgermeister Herbert Hunkel eine Unterschriftenliste, mit der
Bitte an die Stadt Neu-Isenburg sich zum „Sicheren Hafen“ zu erklären:

Michael Kaul:
Sehr geehrte Frau Wagner,
  sehr geehrter Herr Bürgermeister Hunkel,
  sehr geehrter Herr Biscas,
  sehr geehrte Damen und Herren,

Im Jahre 1699 stellte der Graf von Ysenburg hugenottischen Flüchtlingen Land zur Verfügung, unsere Stadt Neu-Isenburg wurde gegründet. Seit
dem finden immer wieder Menschen die ihre Heimat verlassen müssen hier eine neue Heimat.
Noch gut in Erinnerung ist mir der Herbst 2013, als Flüchtlinge vom Kreis Offenbach in Hotels unserer Stadt untergebracht wurden. Sie Herr Hunkel
gingen in diese Hotels und hießen die Menschen aus Somalia, Eritrea und Afghanistan willkommen. Es wurden Sprachkurse organisiert, die
Integration begann.

Als im Herbst 2015 in der Rathenaustraße eine Erstaufnahme eingerichtet wurde, fanden sich viele Bürger, Kirchengemeinden, Vereine und hier
ansässige Firmen, die halfen den Geflüchteten die ersten Schritte in unserem Land zu erleichtern. Kleider wurden gespendet, Sprachkurse organisiert,
ja es gab sogar Ausflüge in den Taunus, zum Eishockey und Fußball. Die Neu-Isenburger Erstaufnahme wurde vom Land Hessen als vorbildlich
bezeichnet.

Heute gelingt nur noch wenigen Menschen die Flucht bis nach Europa. Das Mittelmeer ist zum Grab tausender Menschen geworden, die vor Terror,
Krieg oder Hunger geflohen sind. Rettungsschiffe wie die „Sea-Watch“ oder die „Sea-Eye“ werden daran gehindert die Menschen vor dem Ertrinken
zu retten. Schiffen mit Geretteten an Bord, wird die Einfahrt in Häfen der Anrainerstaaten verwehrt. Die Staaten Europas sind nicht in der Lage sich auf
eine gemeinsame, humanitäre Flüchtlingspolitik zu einigen.

Die internationale Bewegung „Seebrücke“ hat europaweit Städte und Gemeinden aufgerufen, sich zum „Sicheren Hafen“ für Flüchtlinge zu erklären.
86 Städte in Deutschland haben sich bisher dieser Initiative angeschlossen. Sie müssen mindestens eine von acht Forderungen erfüllen. Nach unserer
Meinung erfüllt die Stadt Neu-Isenburg schon heute mehrere dieser Forderungen.

Wir von der Flüchtlingshilfe Neu-Isenburg bitten die Stadt Neu-Isenburg, dem Beispiel dieser Städte zu folgen und sich ebenfalls zum „Sicheren Hafen“
für Geflüchtete zu erklären. Sie würden damit auch nach Außen die positive Integrationsarbeit unserer Stadt dokumentieren.

Dieser Bitte haben sich bisher etwa 500 Bürgerinnen und Bürger angeschlossen und dies mit ihrer Unterschrift dokumentiert.

Diese Liste möchten wir Ihnen Herr Hunkel hiermit überreichen.“

Seebrücke rettet Menschenleben

Am 25. Mai 2019,ein Tag vor der Europawahl, warb die Initiative „iburg_ohne-rassismus“ auf dem Neu-Isenburger Wochenmarkt. Mit dabei waren die „Omas gegen Rechts“ und die Flüchtlingshilfe Neu-Isenburg.

Täglich ertrinken im Mittelmeer Menschen, die vor Terror, Gewalt oder Hunger nach Europa fliehen. Unabhängige Hilfsorganisationen werden daran gehindert die Menschen vor dem Ertrinken zu retten.
Die Flüchtlingshilfe sammelt weiterhin Spenden zur Unterstützung der Rettungsschiffe „Sea-Eye“ und „Sea-Watch“.

Mit einer Unterschriftensammlung will sie die Stadt Neu-Isenburg bitten, dem Beispiel anderer europäischer Städte zu folgen und sich zum „Sicheren Hafen“ für Geflüchtete zu erklären.

Neu-Isenburger Initiativen werben für ein offenes Europa

Anlässlich der Europawahl 2019 positionieren sich, wie schon im letzten Landtagswahlkampf, antirassistische Gruppen aus Neu-Isenburg gegen die Vorstellungen einer „Festung Europa“.
Mit einem Stand am 11. Mai auf dem Wochenmarkt in der Fußgängerzone Bahnhofstraße werben die Neu-Isenburger Initiativen „Omas gegen rechts“, „iburg_ ohne_Rassismus“ sowie die Flüchtlingshilfe Neu-Isenburg für die Seenotrettung im Mittelmeer und unterstützen die bundesweite Bewegung „Seebrücke“, die Kommunen auffordert, praktische Unterstützung für Geflüchtete zu leisten.
Bisher haben sich 54 Städte, darunter Berlin, Hamburg, Mainz, Wiesbaden und Marburg zu „sicheren Häfen“ erklärt.
Gegen die Forderung nach Abschottung Europas und den massenhaften Tod im Mittelmeer heißt es: „Solidarität statt Festung Europa“ – auch Neu-Isenburg muss ein sicherer Hafen für Geflüchtete werden.

Am 18. Mai werden die „Omas gegen rechts“ die Gestaltung des Standes übernehmen. Dann heißt es wieder: „Lesen ohne Grenzen“.

Zeigt Euch solidarisch, kommt an den Ständen vorbei !

Mitunterzeichner „Offener Brief zur Seenotrettung“

Die Flüchtlingshilfe Neu-Isenburg gehört zu den 262 Erstunterzeichner des Offenen Briefes an die Bundeskanzlerin. Inzwischen haben sich weitere Vereine, Organisationen und Gruppen diesem Appell angeschlossen. Wir listen hier die Unterzeichner aus Neu-Isenburg.

Offener Brief an die Bundeskanzlerin: „Drei Forderungen aus der Zivilgesellschaft“

  • Flüchtlingshilfe Neu-Isenburg e.V.
    Eschenweg 11, 63263 Neu-Isenburg
  • Evangelisch-Reformierte Gemeinde Am Marktplatz
    Marktplatz 8, 63263 Neu-Isenburg
  • Evangelische Johannesgemeinde
    Friedrichstr. 94, 63263 Neu-Isenburg
  • Watt-Club Neu-Isenburg
    Bürgerinitiative für die Energiewende und den Klimaschutz
  • kath. Gemeinde St. Josef
    Kirchstr. 20, 63263 Neu-Isenburg
  • Weltladen Neu-Isenburg e.V.
    Lessingstr. 3, 63263 Neu-Isenburg
  • Gesprächskreis für Frieden und Demokratie
    63263 Neu-Isenburg
  • Ev.-ref. Buchenbuschgemeinde
    Pappelweg 6, 63263 Neu-Isenburg
  • iburg_ohne_rassismus
    63263 Neu-Isenburg
  • Omas gegen Rechts, Neu-Isenburg

Hessische Geschichte erleben

Neubürger und Paten auf dem Marktplatz des Hessenparks
Foto: Marianne Kestler

Der Andrang war groß, als am Morgen der Bus vorfuhr. Die Flüchtlingshilfe Neu-Isenburg hatte Geflüchtete und Paten zu einem Besuch des Hessenparks eingeladen.
56 Personen, darunter viele Kinder, wollten sich die geschichtsträchtigen Häuser des Parks ansehen und einen Eindruck gewinnen, wie die Menschen hier in Hessen früher gelebt hatten.
So manches kam ihnen bekannt vor, etwa die landwirtschaftlichen Geräte. Bestaunt wurde vor allem das Alter der Häuser. 
Die Kinder freuten sich besonders über die Tiere und die Möglichkeit, sich austoben zu können. Es war ein Tag, an den sich alle noch lange gerne erinnern werden.

Die Flüchtlingshilfe bedankt sich vor allem bei Joachim Sokolowski, der den Reisebus ehrenamtlich fuhr, und bei der Firma Vey, die den Bus kostengünstig zur Verfügung stellte.

Das Sterben im Mittelmeer beenden !

Offener Brief an die Bundeskanzlerin: „Drei Forderungen aus der Zivilgesellschaft“

Wir merken es fast jeden Tag – Nachrichten über Tote im Mittelmeer oder die Behandlung Geflüchteter in unserer Umgebung, die Stimmung gegenüber denen, die in Europa Zuflucht suchen hat sich seit dem Herbst 2015 dramatisch verändert.

Jetzt haben sich 262 Initiativen mit einem Offenen Brief an die Bundeskanzlerin Angela Merkel gewendet. Weitere Gruppen und Vereine werden aufgefordert, diesen Appell zu unterstützen.

Bericht in der Tageschau vom 3.4.2019

Wie geht es danach weiter? Pro Asyl schreibt:
„Der Druck muss aufrechterhalten werden! Wir befürchten, dass menschenrechtsfreundliche Lösungen vor der Europa-Wahl nicht in Sicht sind.
Daher wollen wir, dass bis zum 20. Juni – dem Weltflüchtlingstag – mindestens 1000 Organisationen den Brief an die Kanzlerin mitzeichnen!
Zum Tag des Flüchtlings werden wir dann mit diesem noch größeren Bündnis erneut an die Öffentlichkeit gehen. Dafür brauchen wir eure Unterstützung: Gebt den Brief weiter! Fragt Organisationen in eurer Region an – auch Sportvereine, Kultureinrichtungen, Wirtschaftsunternehmen, Kirchengemeinden! Rückmeldungen bitte an offenerbrief@proasyl.de.

Die Flüchtlingshilfe Neu-Isenburg gehört zu den Unterzeichnern des Offenen Briefes, wir bitten Sie/Euch diesen Appell zu unterstützen und zu verbreiten.
Wir freuen uns, wenn möglichst viele Neu-Isenburger Gruppen, Vereine, Kirchengemeinden und Firmen sich dem Appell anschließen ! Wenn Sie/Ihr damit einverstanden sind/seid veröffentlichen wir die Namen auf unserer HomePage.

AirPlus unterstützt die Arbeit der Flüchtlingshilfe Neu-Isenburg

Als im September 2015 auf dem ehemaligen Werksgelände der Frankfurter Rundschau eine Erstaufnahmestelle für Asylsuchende eröffnet wurde, warb Bürgermeister Herbert Hunkel bei den benachbarten Firmen um Unterstützung für die Menschen, die dort untergebracht waren. Seit dieser Zeit unterstützt AirPlus, ein weltweit führender Anbieter von Lösungen für das tägliche Management von Geschäftsreisen, die Arbeit der Flüchtlingshilfe Neu-Isenburg e.V. regelmäßig durch Geldspenden – so auch in diesem Jahr: Tracy Killian und Colleen Smith übergaben im Café Grenzenlos eine Spende von 4000 Euro.

Die AirPlus-Mitarbeiterinnen Tracy Killian (Mitte links) und Colleen Smith (Mitte rechts) nehmen im Café Grenzenlos den Dank der Flüchtlingshilfe entgegen.

Bei der langjährigen Zusammenarbeit geht es um weit mehr als nur um Geld. Die Flüchtlingshilfe konnte in mehreren Veranstaltungen die Situation der Geflüchteten schildern und ihre eigene Arbeit vorstellen. Ein junger Syrer hat in dem Neu-Isenburger Unternehmen einen Ausbildungsplatz gefunden. Mehrere AirPlus-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen engagieren sich als Sprachpatinnen und Sprachpaten, helfen beim „Tag der Nationen“ und auf dem Weihnachtsmarkt. Die Suche nach Sachspenden wird innerhalb des Unternehmens verbreitet und ist oft sehr erfolgreich. So erhielt Café Grenzenlos erst kürzlich eine große Menge Duplo-Steine, die in der Kinderecke des Cafés
begeistert aufgenommen wurden.

Die Geldspenden ermöglichen es der Flüchtlingshilfe, Sprachhilfen und Lernmaterial zu finanzieren, Fahrradkurse für Frauen zu organisieren, die gut frequentierte Fahrradwerkstatt auszustatten und sportliche Aktivitäten zu finanzieren. In Einzelfällen werden Kosten für Nachhilfelehrer, Medikamente oder Fahrkarten übernommen. In besonderen Fällen beteiligt sich die Flüchtlingshilfe an Kosten eines laufenden Asylverfahrens.

Marianne Kestler zieht sich aus dem Vorstand zurück

Bei der Mitgliederversammlung am 29.11.2018 wurde Marianne Kestler zur Pressesprecherrin gewählt. Aus gesundheitlichen Gründen sieht sie sich gezwungen ihr Amt nieder zu legen. Marianne wird, soweit es in ihren Kräften steht, auch weiterhin Geflüchtete betreuen und die Arbeit der Flüchtlingshilfe unterstützen.

Wir bedauern Mariannes Rücktritt und wünschen ihr, dass sich ihr Gesundheitszustand möglichst bald verbessert.

Michael Kaul