Ach, wie schön hätte es sein können: Drei minderjährige Kinder im Alter von 8, 10 und 12 Jahren gehen in Neu-Isenburger Schulen. Sie kommen gut klar im Unterricht, besuchen ihre Freunde und sind gespannt auf ihr Schulzeugnis vor den Sommerferien. Ihr Vater arbeitet tagsüber und verdient für den Lebensunterhalt der Familie. Die Mutter hat inzwischen ihre Deutschprüfung mit B1 geschafft! Sie möchte eine Ausbildung im Pflegebereich beginnen, doch das Schulamt erkennt ihren Hauptschulabschluss nicht an. Sie gibt nicht auf, lernt weiter, um ihr Deutsch zu verbessern.
Doch sehr kurzfristig zogen die Behörden alle Ausweisdokumente der Familie ein, dem Vater wurde die Arbeitserlaubnis entzogen. Warum das alles? Hat die Familie vielleicht etwas Unrechtmäßiges getan? Aber nein, sie erhielten eine Abschiebeaufforderung – trotz aller Bemühungen und „Mitwirkungspflichten“ der Familie.
Nun läuft alles kurz getaktet, denn der Handlungsspielraum für die begleitende Flüchtlingsberatung der Diakonie und des Rechtsanwalts ist zunehmend eingeschränkt. Die letzte Hoffnung ist eine am 26. Mai eingereichte Petition, die ein Petitionsverfahren einleitet und uns den Eindruck hinterlässt, dass der Fall nochmals im Sinne des Kindeswohls geprüft werde und in der Zwischenzeit die Integrationsanstrengungen weiterlaufen könnten.
Alles umsonst! Am vergangenen Montag, 22. Juni, früh um 5 Uhr stehen sieben Polizisten vor der Tür der Familie, holen sie ab und bringen sie zum Flughafen. Um 11 Uhr sitzen sie im Flieger in die Türkei. Verstörte und verzweifelte Eltern, weinende Kinder! Ja, das ist wahr! Abschiebung geht derzeit vor Rechtsprüfung. Kindeswohl perdu. Die Petition bot der Familie keinen Schutz mehr. Die Behörden entschieden hart entgegen jeder Menschlichkeit. Warum tun sie so etwas? Kinder aus der Schule reißen, ihnen ihre Zukunft verbauen und die Eltern ins Ungewisse schicken?
Es ist kein „Urlaubsflug“ in die Türkei für diese kurdisch-türkische Familie, die aus dem schwer getroffenen Erdbebengebiet vor zwei Jahren geflohen war und hier in Neu-Isenburg sich ein neues Zuhause schaffen wollte.
Neu-Isenburg wurde gegründet als Ort von und für Flüchtlinge. Wir sind wütend und traurig, dass heute Flüchtlinge, Kinder mit ihren Eltern, auch aus Neu-Isenburg abgeschoben werden! Der jahrelange Einsatz all der Unterstützer der Familie (Diakonie, Jugendbüro, Schulen, Freundinnen und Freunde, Flüchtlingshilfe) – alles in einem Flug vorbei. Ein Schlag gegen die Menschenwürde, gegen das Kindeswohl und auch für uns ein Schlag ins Gesicht des sonst so gelobten „Ehrenamtsengagements“ für Geflüchtete.
Wir fordern: Bildung statt Abschiebung! Flüchtlingshilfe Neu-Isenburg e.V.
25.06.2026